| Im 1. und 2. Buch der Könige im Alten
Testament wird über den Propheten Elias nur wenig Genaues erzählt:
ein Mann, der ohne Elternnamen auftaucht, gewaltig und streitbar für den
einen wahren Gott seine Stimme erhebt und am Ende spurlos wieder verschwindet.
Schon zu biblischen Zeiten muß Elias eine Faszination auf die Menschen
ausgeübt haben, denn die geschichtliche Erinnerung wurde schon bald
legendär übermalt. Juden und Christen sehen ihn gleichermaßen
als zweiten Moses und als Vorläufer des Messias an; denn sie alle
führen das Volk Israel heim ins Gelobte Land, zu Gott. Im Neuen Testament
wird Elias zweimal in Verbindung zu Jesus gebracht: Bei der Verklärung Jesu
auf dem Berg Tabor erscheinen Moses und Elias. Am Kreuz hängend ruft Jesus
nach seinem Gott („Eli“), und die Leute missdeuten diesen Ruf
als „Elias“; ihnen ist Elias eben einer, der Gott nahe steht.
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Mendelssohn, der Christ aus jüdischer Familie, gestaltet zusammen mit seinem Mitarbeiter Pfarrer Schubring ein neues Elias-Bild, eine Text-Collage aus mehreren alttestamentlichen Büchern, den Psalmen und auch Zitaten aus dem Neuen Testament mit dem Ziel: In Elias bündeln sich die prophetischen Aussagen, in Elias wird die Gestalt Jesu vorweggenommen bzw. durch Jesus wird das Alte Testament erfüllt (Gegenüberstellungen: verzweifeltes Beten in der Wüste – Gethsemane; Auferweckung des Kindes der Witwe - Lazarus; Fluch gegen die Baals-Propheten – Tempelreinigung ). Hier verehren Juden und Christen wirklich den gleichen Gott, hier werden Hoffnung und Zuversicht auf Erlösung gemeinsam artikuliert.
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Zum konkreten Inhalt: Elias beschwört als Strafe für den Abfall des Volkes Israel vom wahren Gott eine Dürre herauf. Erst nachdem Israel entsagt hat, wird das Unheil wieder aufgehoben. Elias tritt als Wundertäter und Helfer auf, doch seine Gegner sind mächtig. Im zweiten Teil finden wir Elias allein in der Wüste, von allen verlassen, verfolgt, geächtet und sich den Tod wünschend: Doch erst wer den Herrn „erlitten“ hat, kann ihm begegnen. Elias begegnet Gott auf dem Berg Horeb anders als erwartet. Nicht in Sturm, Erdbeben, Feuer oder anderen Schrecken zeigt sich der Herr, nein, im zarten Säuseln naht er sich. Elias, der Meister der starken Töne, hat seine Lektion bekommen. Aber letztlich darf er Gottes Antlitz schauen, wenn er in Wetter und Feuer gen Himmel fährt.
Mendelssohns Werk schließt sich würdig den großen Oratorien Händels und Haydns an. Dramatik, zarte Empfindungen und leidenschaftlicher Ausdruck sind meisterhaft ineinander verwoben. Die Einprägsamtkeit der Chorsätze sowie der Orchesterklang durch unüberbietbare Kunst der Instrumentierung sind weitere Merkmale dieses Oratoriums.
Der „Elias“ erfordert eine große Besetzung in Volumen und Qualität. Der Chor St. Severin Garching hat sich mit den Chören der Genezareth-Kirche Unterschleißheim und der VHS München Nord-Ost zusammengetan. Auch Gäste aus anderen Chören sind mit von der Partie und zeugen davon, welche Faszination dieses Mendelssohn-Werk ausübt. Ein großes Orchester und namhafte Solisten sind die musikalischen Partner.
Albert Neuhauser November 2008 (Quellen: Ingrid Grill und „Chorsinfonik“) |